




Werkbank


In letzter Zeit war nicht soviel Lücke um in meinem momentanen Lieblingshobby zu werkeln. Aber dafür habe ich zwei neue Bögen gefertigt: Rattan- & Hollunderbogen.
Die Manaubögen mit "indianischer" Bemalung - im Versuch ein paar Freunde und Bekannte für mein Hobby zu begeistern, hab ich sie dazu angestiftet einen Manaubogen zu bauen, sie bauen noch, ich bin schon mit dem 2 Bögen fertig. Für mich was es das erste Mal mich mit dem Dämpfen zu beschäftigen.
Bei Manau (od. Rattan) einer Grasart wie Bambus oder einer Lianenart (weiß ich nicht so genau) ist die Beschaffenheit ideal: Faserbündel, die dem gesamten Stengelverlauf parallel folgen.
Ein paar Pfeile mit mittelalterlicher Feldspitze sind dazugekommen. Das Cresting habe ich mit schwarzem Edding und silbernen Lackstift aufgebracht. Zur Erleichterung des Bau von Bogensehnen hab ich mir ein Sehnenbrett gebaut. Zur Anwendung gibt es eine prima Videoanleitung auf youtube, wenn man es erst einmal gemacht hat, ist es überhaupt nicht mehr schwer eine Bogensehne mit flämischen Spleiß zu bauen. Der Bau eines Sehnenbrett lohnt aber sicherlich nur wenn man mehrere Sehnen pro Jahr braucht.
Robinienbogen mit Schlangenhautbacking& Kische mit Leinenbacking
Man nehme ein Stück Robinie, schon gespalten, vom Bogenbauer (www.baum-und-bogen.de) in Grundform gesägt und befreie einen durchgehenden Jahresring für den Bogenrücken
Dann die Grundform weiter bearbeiten, bis über die ganze Länge eine gleichäßige Wurfarmstärke (Dicke) erreicht ist. Werkzeuge: Zugmesser, Ziehklinge, Raspel, Feile, Sandpapier. Sehnenkerben mit einer Fliesensäge in die Wurfarmenden (45 Grad) feilen und mit einer lockeren Tillersehne die Biegung der Wurfarme am Tillerstock überprüfen.
Nun wird die Biegung der Wurfarme auf beiden Seiten
angeglichen und Zoll für Zoll geprüft. Nach jeder Prüfung wird vorsichtig ein wenig Material an den zu steifen Stellen am Wurfarm weggenommen. Das Ganze bis man mit Sehne einen Auszug von 28 Zoll (Pfeillänge) erreicht hat. (www.kunst-griff.info - Video: Bogen tillern mit Tillermaß)
Schlangenhaut-Backing (von www.dick.biz) kann man mit Hautleim oder Holzleim aufbringen. Ich hab mich für Holzleim entschieden. Hautleim verbreitet zu viel Gestank in der Wohnung. Ungegerbte Schlangenhaut 5 Min. wässern (lauwarmes Wasser mit einem Schuß Shampoo), auf einem Küchentuch ausbreiten und kurz abtrocken lassen (soll sich aber noch feucht anfühlen). Auf einen Wurfarm Holzleim verstreichen (nicht zuviel!) und Schlangenhaut mit der Fleischseite (Schuppen nach oben) auf den eingeleimten Wurfarm legen.
Ich habe von der Griffseite angefangen und dann die Schlangenhaut mit den Daumen zu den Außenseiten an und glatt gedrückt, um dabei Luftblasen zu entfernen, bis der Leim angezogen ist. Dann den anderen Wurfarm genauso bearbeiten. Für je einen Wurfarm brauchte ich eine Schlangenhaut, die sich am Griff treffen. Hier wird ein Griffleder angebracht, das die Stoßkante überdeckt. (Linktip: Build-along hazelnut-bow, engl.)
Nach dem Antrocknen (ca. 2 Std.) mit einem Cuttermesser die überstehende Haut sauber abschneiden und über Nacht trocknen lassen. Die Seiten können noch mit feinem Schleifpapier nachgebessert werden. Abschluß: Oberflächenbehandlung mit Tungöl, die man am Besten mehrmals auftägt. Dies härtet die Holzoberfläche und schützt den Bogen vor Feuchtigkeit.
Der Winter rückt an – für mich meist freie Zeit, weil die Outdoortrainingssaison zu Ende ist – als Flachlandtiroler weiche ich nicht in die Berge aus und kann mich wieder meinen Hobbys widmen: u.a. Traditioneller Bogen- und Pfeilbau.